Das Selterswassermuseum im Mineralbrunnen Niederselters ist bis Ende März 2017 geschlossen.

 

Was andere kaum zu denken wagen, er spricht es unverblümt aus: der Begge Peder, als Hausmeister mit dem unverwechselbaren Gebiss und dem kernigen Humor kennt kein Tabu- und lässt auch keinen ungeschoren,
 
weder sein Chef, Begge Peder6  de  Bojemaasder,

Begge Peder2 Begge Peder3 Begge Peder4
noch dessen linke Hand, die
Frau mit dem Bindestrich
Leutberger-Schnarrenhäuser,
noch Liddl-Tscho und nicht zu übersehen –
die Marlis.
(Illustrationen in seinem Buch von Michael Apitz)
 
Sichtlich angetan von den Räumlichkeiten, gastierte erstmals der Comedian Peter Beck mit seinem neuen Programm Kommer nitt so! im Niederselterser Mineralbrunnen. Die innerhalb weniger Tage ausverkaufte Veranstaltung war für alle Beteiligten ein voller Erfolg und zeigt, dass auch in der ländlichen Umgebung Interesse an Comedy besteht. Der Begge Peder – Peter Beck ist ein exzellenter Vortragskünstler - konnte schnell die Besucher begeistern und über zwei Stunden hervorragend unterhalten. In lachende Gesichter blicken zu dürfen, sei sein schönster Lohn.

Und bei jedem seiner Auftritte sammelt er auch noch für krebskranke Kinder. So konnte durch den Getränkeverkauf an diesem Abend die Verwaltung seiner Stiftung 300 € überweisen.

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Peter Beck bedankte sich herzlich in seinen Arbeitsklamotten – im grauen Hausmeisterkittel, mit braunem Rasierpinselhut, Hornbrille und Kauleiste: Den ganzen Abend lachen und dann auch noch etwas Gutes tun- das hat ihm und allen gefallen.

 

Jean Philippe Dussourd, Lokalhistoriker aus dem elsässischen Chatenois (Kestenholz) und guter Bekannter von Dr. Norbert Zabel und Eugen Caspary, hatte vor wenigen Wochen in Straßburg einige Selterswasserkrüge entdeckt und später erworben. Darunter befand sich ein Krug mit einem Fehlstempel aus der herzoglich-nassauischen Zeit (1830 – 1866).

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Bei seinem letzten Besuch schenkte er dem Selterswassermuseum diesen Krug, der die dort zu sehende Sammlung um eine Besonderheit erweitert.

Doch sind 2014 nicht nur in Straßburg alte Selterswasserkrüge gesichtet worden. In der Danziger Bucht hatte der Meeresarcheologe Thomas Bednarz einen 200 Jahre alten Krug in einem Schiffswrack entdeckt, der noch gefüllt war und dessen Inhalt nun von zwei Chemikern untersucht werden soll. Auch wurden der Gemeinde Selters aus Bamberg (Bayern), Wilhelmshaven (Norddeutschland), aus der Slowakei sowie aus Graz (Österreich) Krugfunde in den letzten Monaten gemeldet. All dies belegt einmal mehr, dass schon weit vor dem Ersten Weltkrieg das Selterser Heilwasser Kunden in aller Welt hatte.

 

Polnische Meeresarchäologen haben in einem in der Danziger Bucht gesunkenen Schiff einen Selterswasserkrug geborgen. Der gut erhaltene Krug, der noch immer mit Selterswasser gefüllt ist, stammt aus der Zeit um 1820 und kann zwischenzeitlich im nationalen Maritim-Museum in Danzig (pol.: Gdansk) besichtigt werden.

Die Frage, die der politische Historiker Tomasz Bednarz gestellt hat, warum Selterswasserkrüge vor 200 Jahren nach Danzig gebracht wurden, lässt sich relativ leicht beantworten. In der Goethe-Zeit – J. W. Goethe besuchte 1815 den Seltersbrunnen –  wurde das Selterswasser in fast allen europäischen Großstädten von Apothekern und Ärzten, aber auch von Händlern und Gastwirten angeboten. Selterswasser war ein Heilwasser für viele Krankheiten, deshalb bezeichnete man auch den Seltersbrunnen als den berühmtesten Gesundbrunnen Deutschlands.

Selterswasser wurde im Ostseebereich jedoch nicht nur nach Danzig verkauft, es fand seinen Weg auch nach Riga, St. Petersburg und Stockholm.

Der gut erhaltene Krug, eine Fotografie liegt der Gemeinde Selters vor, lässt die Aufschrift Selters und die Buchstaben HN im Krugstempel deutlich erkennen. Dieser Krugstempel wurde zwischen 1806 und 1830 benutzt. HN steht für Herzogtum Nassau. In jenen Jahren (1806-1830) wurden jährlich zwischen 1 und 2 Millionen Krüge mit Selterswasser gefüllt und europaweit verkauft. Wichtige Abnahmeländer waren die Niederlande, England und Frankreich, den Hauptabsatzmarkt bildeten jedoch die deutschsprachigen Territorien.

Wie Tomasz Bednarz mitteilte, will man den Krug in Danzig nicht öffnen. Trotzdem wüsste man gern, ob dieses Wasser noch heute trinkbar sei. Dr. N. Zabel glaubt, dass das 200 Jahre alte Selterswasser, luftdicht verschlossen und kühl im Schiffswrack in der Ostsee gelagert, noch immer Trinkwasserqualität habe. Er verweist dabei auf die Untersuchungen von Prof. Dr. Remigius Fresenius (Wiesbaden), der vor 150 Jahren Selterswasser analysierte, es dann 15 Jahre lang lagerte und danach wieder untersuchte und zu dem Ergebnis kam, dass sich das Selterswasser in seiner Beschaffenheit trotz der langen Lagerzeit nicht verändert habe.

Dass der Krug in Niederselters gefüllt wurde, kann nicht ernsthaft bezweifelt werden. Kein deutscher Brunnenbetrieb, konnte in herzoglich-nassauischer Zeit (1806-1866) mit dem Selterswasser konkurrieren. Und noch eine Frage bewegte in der letzten Woche, als der Fund in Rundfunk und Presse bekannt gemacht wurde, die Gemüter. Sollte der Krug für das Selterswassermuseum erworben werden? Die Auffassung der Niederselterser Lokal-Historiker ist eindeutig: Der Krug war auf dem Weg nach Danzig. Nun ist er nach 200 Jahren dort angekommen. Dort sollte er im maritimen Museum verbleiben. Er ist ein weiterer Beweis für die Bedeutung des Selterswassers in vergangener Zeit. Und er erklärt auch indirekt, weshalb noch heute jeder Deutsche die Bezeichnung Selterswasser kennt. Ein Hinweis zum Schluss: Im Selterswassermuseum gibt es einige Krüge aus der frühen herzoglichen Zeit. Ein Ebenbild des in Danzig gefundenen Kruges lässt sich auch in der Krugvitrine finden, allerdings ist dieser ungefüllt, jedoch auch 200 Jahre alt.

 

Dass der Niederselterser Mineralbrunnen Deutschlands berühmtester Gesundbrunnen war, wird nun eindrucksvoll auf 320 Seiten von den Autoren Dr. Norbert Zabel, Eugen Caspary und Willi Hamm belegt. Jedermann kennt noch heute die Bezeichnung Selterswasser. Johann Wolfgang von Goethe und Otto von Bismarck haben es regelmäßig getrunken, Prof. Dr. Remigius Fresenius analysierte es schon vor 150 Jahren, und die Fa. Lehnig hat es in Millionen deutsche Haushalte im Rahmen ihres Getränke-Heimdienstes geliefert.

Buch Selterser Brunnengeschichte


Wer also wissen will, was in den letzten 500 Jahren an Deutschlands bekanntestem Mineralbrunnen geschehen ist, kann die „Geschichte des Mineralbrunnens Niederselters“ bei der Gemeindeverwaltung, Rathaus Niederselters, Brunnenstr. 46, im Selterswassermuseum (geöffnet samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr) sowie in der Buchhandlung Linz in Niederselters, Am Schwimmbad 9, und bei der Camberger Bücherbank, Limburger Str. 28, Bad Camberg, zu einem Preis von 20 € erwerben.

 

Das neue, 106-seitige Buch „Selters – ein Name erobert die Welt“ wurde jetzt im Selterser Mineralbrunnen vorgestellt. Das Werk von Dr. Norbert Zabel, Eugen Caspary und weiterer Autoren ist ab sofort zum Preis von 6 Euro bei der Gemeindeverwaltung in Niederselters erhältlich.
 
„Es freut mich ganz besonders, dass wir heute gemeinsam diese Ausstellungsdokumente, die hier im Brunnen in Augenschein genommen werden können, der Öffentlichkeit vorstellen“, sagte Bürgermeister Bernd Hartmann. Der Gemeindevorstand habe es für angebracht gehalten, das, was Dr. Norbert Zabel und Eugen Caspary gemeinsam mit Dr. Ulrich Eisenbach, Franz Josef Stillger, Jürgen Eisenbach und Heinz Rebelein gestaltet hätten, auch in Buchform für kommende Generationen zu erhalten. Zabel, Vorsitzender des Geschichtsvereins Goldener Grund, erklärte, dass der Vorstand des Geschichtsvereines bereits vor sechs Jahren den Entschluss gefasst hätte, ein Brunnenmuseum einzurichten und darin die 500-jährige Geschichte des Mineralbrunnens zu dokumentieren. Laut Altbürgermeister Zabel wurde die berühmte Selterser Quelle bereits 1536 erwähnt. Historische Karten, die die Brunnenanlage im 17. und 18. Jahrhundert zeigten, verdeutlichten in dem neuen Buch die ersten Versuche, einen Kurbetrieb in Niederselters entstehen zu lassen. Die gut erhaltenen Brunnenzeichnungen ließen eine bescheidene Nutzung erahnen, danach belegten Stahl- und Kupferstiche den wirtschaftlichen Aufstieg zu einem vorindustriellen Großbetrieb. Brunnenordnungen, Arbeitsanweisungen und Ladeordnungen zeigten den Arbeitsalltag. Prachtvolle Entwürfe zum Brunnenausbau zwischen 1773 und 1783 beeindruckten genauso wie eine Fotografie des 1857 errichteten gusseisernen Glaspavillons über der Quelle. Steinkrüge aus dem Kannenbäckerland, millionenfach gefüllt und bis zum Ersten Weltkrieg verwendet, bezeugten eine weltweite Nachfrage, berichteten die Autoren. Die Jahre als preußischer Staatsbetrieb (1866-1894), die Zeit der Verpachtung an den Glasindustriellen Friedrich Siemens und seine Erben (1894-1955), der kurze Abschnitt der SS-Herrschaft, der erfolgreiche Aufstieg unter Wolfgang Lehnig (1955-1975) sowie die Aktivitäten im ausgehenden 20. Jahrhundert rundeten das Bild einer hochinteressanten Brunnengeschichte ab. Zu dieser Zeit hätten die Brauerei Herrenhausen (Hannover) und danach die Binding-Brauerei (Frankfurt) das Sagen gehabt.
 
Bürgermeister Hartmann erklärte, dass das Brunnenkonzept für die Gemeinde insgesamt bisher aufgehe. Nach mehr als 100 Besuchergruppen seit der Eröffnung des Museums am 26. Juni 2011 habe die Gemeinde zurzeit schon wieder viele neue Anfragen für Führungen vorliegen. Das Museum gebe detaillierte Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Brunnenbetriebes, und erkläre, warum Selters zu einem Synonym für Mineralwasser geworden sei.
 
Zabel wies noch einmal darauf hin, dass im Selterser Gemeindearchiv viel bis dahin unbekanntes Material entdeckt worden sei, und auch im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden hätten seine Mitarbeiter und er über mehrere Jahre hunderte Dokumente und Schriftstücke durchgesehen. So enthält das Buch neben fachkundigen Texten zahlreiche Dokumente, Fotografien, Zeichnungen sowie kurze Erläuterungen zu den jeweiligen Zeitabschnitten.
 
Gelungen ist auf den ersten Blick der hochwertige Druck (Seltersdruck Niederselters) sowie eine beeindruckende moderne Grafik (knappdesign Hünfelden). Das Titelbild des Werkes stammt von Günther Knödler.
 
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Franz Josef Stillger, Dr. Norbert Zabel,
Eugen Caspary und Thomas Knapp (v.li.)
stellten ihr neues Buch vor

Über das neue Buch zur Selterser Brunnengeschichte freuten sich (v.li.)
Bernd Hartmann, Karin Weiß, Dr. Norbert Zabel, Thomas Knapp,
Günther Knödler, Hermann Bethke, Franz Josef Stillger und Eugen Caspary
Im 19. Jahrhundert wurde das Wasser intensiv analysiert und sogar versucht, es künstlich herzustellen
 
Wer die spannende und wechselhafte Geschichte eines der einstmals erfolgreichsten Mineralbrunnen Deutschlands näher kennenlernen will, der sollte einen Besuch im 2011 eröffneten Selterswassermuseum auf keinen Fall verpassen. Dies ist der vierte und letzte Ausflugstipp unserer kleinen Serie im Goldenen Grund.
 
Viel zu entdecken gibt es bei einer Führung durch die alte Lagerhalle und den 1907 erbauten Brunnentempel, dessen markante Jugendstil Fassade jedem Besucher wohl zuerst ins Auge fällt.
 
Bereits 1536 wurde der Mineralbrunnen erstmals urkundlich erwähnt und im Zeitraum von 1581 bis heute wurden über 200 Schriften über das Mineralwasser aus Niederselters verfasst. "Das Wasser aus unserem Brunnen wurde aufgrund seines hohen Mineralgehalts von vielen als Heilwasser betrachtet", erklärt Dr. Norbert Zabel, der regelmäßig Besucher durch die Anlage führt, diesen Umstand. "Angesehene Ärzte und auch Chemiker, wie der bekannte Dr. Remigius Fresenius, haben sich mit diesem Sachverhalt beschäftigt." Jener Ruf verhalf dem Wasser aus dem Niederselterser Mineralbrunnen zu großer nationaler und sogar internationaler Beliebtheit. Bis nach Nordamerika und China wurde das Getränk geliefert. Doch ein solcher Bekanntheitsgrad brachte auch Nachteile mit sich. "Im 19. Jahrhundert wurde das Wasser vielfach analysiert", so Zabel. Ziel dieser Analysen sei es gewesen, mit Hilfe der herausgefundenen Bestandteile ein künstliches Selterswasser herzustellen. "Ein Versuch, der durchaus erfolgreich war und dessen Ergebnis sich auch gut verkaufte."
 
Zwangsarbeiter
 
Ein weiterer Einschnitt in der Geschichte des Mineralbrunnens stellt die Übernahme durch Hitlers Schutzstaffel, die "SS", dar. Diese hatte damals eine ganze Reihe von Brunnen beschlagnahmt, um die im Ausland kämpfenden Truppen mit deutschem Mineralwasser versorgen zu können. Ein dunkler Teil der Geschichte, da zur Arbeit im Mineralbrunnen auch russische Zwangsarbeiterinnen herangezogen wurden, die dort unter schlimmen Bedingungen, teilweise mit Säuglingen und Kleinkindern, in Arbeitslagern leben mussten. Heute erinnert eine Gedenktafel in Niederselters an diese Ereignisse.
 
Wendepunkt 2001
  
1990 übernahm schließlich eine namhafte hessische Brauerei den Brunnen, stellte jedoch bereits aus betriebswirtschaftlichen Gründen nach neun Jahren die Produktion ein. 2001 wurde das alte Wahrzeichen von Selters durch die Gemeinde aufgekauft und die teils maroden Gebäude saniert. "Wir haben uns damals für die Anlage ein ganz neues Konzept ausgedacht. Neben dem Museum gibt es einen Haustrunkraum und zwei Gesellschaftsräume, in denen Geburtstage, Hochzeitsfeiern oder Weinproben stattfinden", sagt Zabel. Das Museum werde sehr gut angenommen. "Im Sommer haben wir jede Woche zwei bis drei Führungen, in denen die Besucher eine Einführung in die Wirtschaftsgeschichte des Goldenen Grundes erhalten."
 
Das Museum ist von Anfang April bis Ende Oktober immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen können auf Anfrage für Gruppen ab etwa zehn Personen stattfinden.
  

Quelle: Nassauische Neue Presse vom 17.08.2012 http://www.fnp.de/nnp/region/lokales/limburg-lahn/selterswasser-wer-kennt-das-nicht_rmn01.c.10078634.de.html